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Grafikdesign in Köln

Über die Ursprünge unserer heutigen Designkultur

Grafikdesign und viele andere Design-relevante Themen erfahren in Köln eine stetig steigende Bedeutung; eine Branche, die starken Anteil an der Medienstadt Köln hat. Dabei ist das heutige Grafidesign wie auch die spezialisierten Ausrichtungen von Corporate Design, von Marken- oder Unternehmenskommunikation, von Webdesign oder auch Mediengestaltung kein Kind des aktuellen Millenniums. Die förmliche Explosion der Branche im Zuge der Internet-Ausbreitung sowie die heute ausschließlich digitale Arbeitswelt des Grafikdesigns verleiten zu der Annahme, dass sich diese Branche als Folge der digitalen Welt quasi erst erfunden hat. Eine generische, bunte Welt möchte man meinen – und findet sich bestätigt, wenn man die Bewerbungsschreiben junger Menschen für entsprechende Berufe liest. Hier werden die neuen Medien in grenzenloser Faszination mit allen gestaltungstechnischen Grundlagen vermengt, all das ist per se »spannend« und will erorbert werden. Wer will das einer nachwachsenden Generation verdenken, die mit Facebook und Youtube aufgewachsen ist, und die Sesamstraße, Tom Sawyer oder Donald Duck einer gefühlten Antike zuordnet?

Etwas mehr über die Wurzeln unseres heutigen Grafikdesigns zu wissen, ist durchaus lohnenswert und öffnet auch den Blick für den eigentlichen Wert guter Gestaltung. Eisberge und Fundamente haben es so an sich, das ihr tragender Teil kaum wahrgenommen wird. Die Wurzeln unserer heutigen Gestaltungskultur hier in Köln sind mit einem starken Fundament durchaus vergleichbar. Wer es kennt, sieht manches Plakat, manche Druckgrafik, manches Bauwerk und auch manche Fotografie mit anderen Augen.


Wie Grafik und Design einst zusammenfanden

Der Begriff Grafik steht in Deutschland sowie der gesamten westlichen Welt seit dem 18. Jahrhundert für gezeichnete Darstellungen und Schaubilder. Design beschreibt hingegen den Plan, den Entwurf für die Gestalt eines Objektes. Die Kombination der Wörter Grafik und Design wurde maßgeblich geprägt von William Addison Dwiggins im Jahre 1922. Er nutzte diese Bezeichnung, um seine vielfältigen Tätigkeiten im Bereich des Buchdesigns, der Illustration, der Typographie und Kalligraphie zusammenzufassen. Der Ursprung des handwerklich angewandten Grafikdesigns geht zurück auf unterschiedliche grafische Techniken wie den Holzschnitt oder den Kupferstich. Der Holzschnitt wurde seit 1455 im Buchdruck eingesetzt. Beide Methoden hat Albrecht Dürer in

Druckgrafik von D. Crane – Illustration für ein Kinderbuch

Kinderbuch-Illustration von David Crane aus dem Jahr 1878. Mit der Technik des Holzstiches konnten schon gute Qualitäten erreicht werden, allerdings nur für kleine Auflagen. © Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg

Kölnische Zeitung von April 1864 – Grafikdesign spielte noch eine untergeordnete Rolle.

Kölnische Zeitung von April 1864 – Grafikdesign spielte noch eine untergeordnete Rolle © Mediengruppe M. DuMont Schauberg GmbH & Co. KG

Deutschland seit Ende des 15. Jahrhunderts geformt und perfektioniert. Für farbige und fernwirkende Plakate hat man sich der Technik des Steindruckes und der Lithographie bedient, Erzeugnisse dieses Verfahrens werden Chromolithografien gennant. So konnte man sehr bald Druckbilder in Farbe und mit hoher Qualität herstellen und in größeren Stückzahlen fertigen.

Das erste massentaugliche Verbreitungsmedium für grafische Gestaltung war schon im 19. Jahrhundert die Zeitung, bald gefolgt von illustrierten Zeitschriften. Abgesehen von typografischer Gestaltung war das Ausdrucksmittel seiner Zeit der Kupferstich, der handwerklich gefertigte Illustrationen bereits relativ gut widergeben konnte. Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelte sich auch das Medium Plakat zu einem immer wesentlicheren Informations- und Werbeträger. Gleichzeitig mit der Erfindung neuer Reproduktions- und Drucktechnologien entwickelte sich für diese Printmedien das inzwischen stärker gefragte kommerzielle Grafikdesign. Heutzutage sind der Offset-, Hoch-, Tief- und Siebdruck die gängigen Techniken in dieser Sparte.


Von den Printmedien zu bewegten Bildern

Mit den aufblühenden Lichtspieltheatern und Filmpalästen erlebten die Menschen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts bald auch ganz regelmäßig bewegte Bilder – und dazu auch erste kommerzielle Einblendungen. Gegen Mitte des letzten Jahrhunderts zog dann das Fernsehen in die Wohnzimmer ein. Es erreichte als ein wiederum revolutionäres Massenmedium ganz neue Dimensionen – auch für angewandtes Grafikdesign. Über viele Jahrzehnte entwickelten und verfeinerten sich die genannten Medien. Sie bekamen untereinander reichlich Konkurrenz, aber neue, ernstzunehmende Medien traten viele Jahre nicht in Erscheinung. BTX und Videotext beispielsweise konnten sich nie als breit akzeptierte Medien durchsetzen. Ein Grund war sicherlich, dass sie gestalterisch kaum Spielraum ermöglichten und zudem recht umständlich zu bedienende Medien waren.
Erst mit dem Aufkommen des Internets in den 1990er Jahren revolutionierte sich die Medienlandschaft abermals – und mit ihr auch der Wirkungskreis modernen Grafikdesigns.

Die massentaugliche Einführung ins mobile Internet via Smartphones und Tablet-PCs ab ca. 2010 markiert die vorerst letzte Innovation in der Medienlandschaft. Mit dem Nutzen für die Anwender gehen komplexe neue Aufgabenstellungen für Programmierer und Designer einher. Die klassische Branche des Grafikdesign hat sich bis heute daher in viele spezialisierte Fachbereiche untergliedert. Aufgrund der technisch vielfältigen Anforderungen durch die zahlreichen Medien in Print und Multimedia ist es heute fast unmöglich, als Grafikdesigner die Bespielung aller Kanäle in einer Person professionell zu beherrschen. Hinzu kommt das komplexe Wissen der theoretischen Gestaltungslehre – und im weiteren, die abermals umfangreiche und international differenzierte Wissenschaft von Marketing und (Unternehmens-)Kommunikation.


Die Entstehung der Kölner Werkschulen

Die Ursprünge grafischer Ausbildungen in Köln bildeten im Frühen 19. Jh und davor private (kunst-) gewerbliche Schulen. Die erste staatliche Schule dieser Art war die 1833 gegründete Königliche Provinzial – Gewerbeschule, die 1879 in die Gewerbliche Fachschule der Stadt Köln umorganisiert wurde. Damals gab es neben der kunstgewerblichen Abteilung einen mechanisch-technischen und eine bautechnischen Zweig. Es folgten einige weitere Umbenennungen und Neuordnungen der Fachbereiche, die regelmäßig auch mit räumlichen Verlegungen zusammenhingen. 1924 schließlich bezog die aus den Neuordnungen hervorgegangene Kunstgewerbe- und Handwerkerschule das sog. rote Haus am Ubierring 40 – eine Adresse, die bis heute aktuell geblieben ist für das Design-Institut, KISD der Fakultät der Fakultät für Kulturwissenschaften der Fachhochschule Köln.

Wegen der Parallele zum Bauhaus wurde der Schule noch im Jahr 1926 durch den damaligen Oberbürgermeister Kölns Konrad Adenauer der Name Kölner Werkschulen verliehen. Gleichzeitig gab es eine erneute Umstrukturierung, nach der man sich nun als städtisches Kunstinstitut begriff, dass eine enge Verknüpfung von Entwurf und Umsetzung kultivierte. In dieser praktisch orientierten Lehre sah man sich dem Werkbundgedanken verpflichtet, freie und angewandte Kunst fanden zu einer Synthese. Die Handwerkskunst stand gleichzeitig in enger Verbindung zur Industrie, durch welche den Werkschulen Arbeitsaufträge zukamen. So ist beispielsweise die Schreibmaschinenschrift Erbar und Candida von Studenten der Kölner Werkschulen entwickelt worden.
Die Nazizeit bedeuteten im Zuge der Gleichschaltung eine herbe Zäsur für den Ursprungsgedanken der Kölner Werkschulen. Unter dem ehrgeizigen Label Kölner Meisterschule versank die Einrichtung zunächst in der Bedeutungslosigkeit, kurz später dann im Bombenhagel. Doch im Jahre 1947 wurden die im Krieg stark zerstörten Werkschulen mit ihrem ursprünglichen Programm wiedereröffnet.

Der Wiederaufbau des Gebäudes wurde nach einem Entwurf von Ludwig Gies errichtet, ein bekannter Bildhauer und Medailleur aus München. Er lehrte Bildhauerei und Plastik an den Werkschulen von 1950 bis 1962. Das Gebäude am Ubierring, welches aktuell die Räumlichkeiten der KISD beherbergt, gilt heute als eines der Wahrzeichen der Kölner Südstadt. In den 1950er Jahren bildete sich inhaltlich ein künstlerischer Schwerpunkt. Dies führte zu einer Namensänderung der Schule in Kölsche Kunstakademie. Diese bestand in den 60er Jahren schließlich aus 5 Abteilungen, 21 Lehrbereichen und circa 500 Studierenden. 1968 erfolgte nochmal eine Umbenennung in Akademie der Bildenden Künste Köln – (Kölner Werkschulen). Zu dieser war die Akademie das größte Kunstinstitut in NRW. In den 70er Jahren gliederte man die Kunstakademie in die neugegründete Fachhochschule Köln ein.

Die 1980er Jahre brachten schließlich die Aufspaltung der Lehrbereiche. Der Bereich Architektur wurde zu den ingenieurtechnischen Fakultäten nach Köln-Deutz verlegt. Aus der Designabteilung entstand die Fachhochschule für Design, deren Studiengang des klassischen Grafikdesigns aber schon bald einem integrierten Ansatz mit starker internationaler Ausrichtung (»Kölner Modell«) wich. So werden seit 1991 die Wissenschaften des Grafik-, Produkt- und Industriedesigns miteinander verzahnt. Seit 2002 firmiert der ehemalige Fachbereich Design als Institut der Fachhochschule Köln unter dem etwas irritierenden Namen KISD (Köln International School of Design).
Außerdem hervorgegangen ist die  Kunsthochschule für Medien (KHM) Diese vereint die Gebiete Film, Kunst und Wissenschaft in einer Lehre, welche mit einem Diplom in "Mediale Künste" abgeschlossen wird. Circa 360 Studierende im Jahr profitieren an der KHM von einem internationalen und nationalen Netzwerk zur Kunst- und Medienbranche.


Die Werkschulen und ihr Nachlass

Die Kölner Werkschulen sind heute noch ein geläufiger Begriff. Viele bekannte Designer und Künstler haben dort gelehrt und studiert. Einer der Professoren war unter anderem der weltweit bekannte Architekt Dominikus Böhm, der als Spezialist für Kirchenbau das Lehramt für Sakrale Kunst übernahm. Nicht zuletzt unter seinem Einfluss brachten die Kölner Werkschulen zahlreiche bekannte Künstler hervor, die wiederum einen reichen Schatz an sakraler Kunst im Rheinland hinterlassen haben. Eines seiner zahlreichen und mit bekanntesten Werke ist die St. Engelbert Kirche in Köln-Riehl mit ihren parabelförmigen Kuppeln, im Volksmund »Zitronenpresse« genannt.

Die Grundzüge der besonderen, praxisorientierten Lehre in Köln, insbesondere für das Grafikdesign, wurde auch von dem Grafiker und Kunstprofessor Anton Wolff beeinflusst. Er gründete 1934 mit den Grafikern Franz M. Jansen, Käthe Schmitz Imhoff, Irmgard Zumloh und Wilhelm Geißler die Woensam Presse. Dieser Zusammenschluss deutscher Grafiker finanzierte sich unter anderem mit dem Verkauf originaler Grafiken und Drucke.


Grafikdesign und die ersten Kölner Marken

Viele Kölner Marken haben eine wechselvolle Werbegeschichte. Das traditionsreiche Eau de Cologne von Johann Maria Farina beispielsweise wurde um 1740 europaweit erfolgreich, und für viele Jahrzehnte war es das berühmteste Kölner Produkt. Das Unternehmen gilt nebenbei heute als das älteste noch existierende Unternehmen in der Domstadt. Nicht zuletzt durch eine geschicktere Vermarktungsstrategie wurde dagegen das Konkurrenzprodukt »4711« später wesentlich bekannter. Auch dieses Produkt, Ende des 18. Jahrhunderts von Wilhelm Mühlens ins Leben gerufen, wird heute noch hergestellt. Es bildet die Entwicklung markenorientierten Grafikdesigns in Köln ab wie vermutlich kein anderes Kölner Unternehmen. Von seinen Ursprüngen bis heute hat 4711 das Design seines Flakons nicht verändert. Immer noch wird die so genannte sechseckige Molanus-Flasche mit dem Kölner Erzeugnis befüllt. Ebenso ist das Etikett das selbige geblieben. Bremer Blau und Gold zeigen in Bildern zum Beispiel den Kölner Dom und das Bonner Münster. Das Logo der Dachmarke 4711 wurde in den Jahren allerdings verändert.
Einige weitere bekannte und in Köln ansässige Marken illustrieren die Entwicklung markenorientierten Grafikdesigns in Köln seit etlichen Jahrzehnten, häufig noch bis heute: Klosterfrau, Lufthansa, Ford, Stollwerck, Overstolz, Deutz-Motoren, Agrippina, Gerling, Afri Cola und einige weitere. Dabei ist der Köln-Bezug dieser Marken nicht immer maßgeblich gewesen. 
Der Limonadenhersteller Afri Cola beispielsweise mit seinem Ursprung in Köln-Braunsfeld hat die Marke im Jahre 1931 ohne jeden Ortsbezug eingetragen. Bis dato hatte das Unternehmen unter einem anderen Namen Schnaps, Likör und Limonade hergestellt. Afri-Cola gilt als ein Paradebeispiel für die Auf- und Abschwünge einer Marke.

Motiv mit Kranich – Grafik aus einem Werbeprospekt der Deutschen Luft-Reederei (um 1920). Foto: LH-Bildarchiv Lufthansa D 50-14-15, © Bildarchiv, FRA CI/C

Motiv mit Kranich – Grafik aus einem Werbeprospekt der Deutschen Luft-Reederei (um 1920). Foto: LH-Bildarchiv Lufthansa D 50-14-15, © Bildarchiv, FRA CI/C


Köln mit wachsender Bedeutung als Design-Standort

Nicht zuletzt weil Köln als Medienhochburg populär ist, etabliert sich die Stadt zunehmend als Design-Standort. Zahlreiche Designbüros, rund 3.000 Stück, in und um Köln bestätigen die Attraktivität. Die vielzähligen Fernsehanstalten bietet den Agenturen die Belebung des Mediendesigns. Köln als Designmetropole wird außerdem durch die jährlich veranstaltete internationale Einrichtungsmesse, die imm cologne, welche die Küchenmesse Living Kitchen beinhaltet, gestärkt. Parallel zu dieser werden die »Passagen« im gesamten Stadtgebiet veranstaltet. Diverse Lokalitäten stehen dann internationalen Designern zur Verfügung, um ihre neuesten Innovationen zu präsentieren. Aber auch andere Messen mit dem Fokus auf Kunst und Design, wie etwa die »Blooom« oder die »artfair« sind regelmäßige Anlaufstation für interessierte Besucher.
Um der gewachsenen Bedeutung Kölns als Designstandort gerecht zu werden und natürlich auch, um die gesamte Branche weiter zu fördern, initiierte die Stadt Köln im Jahre 1997 die Gründung des Branchenverbandes KölnDesign e.V.


Katharina Telscher

Zu den noch heute aktiven Gründungsmitgliedern gehören die Agenturen Schwarzdesign, Reinsicht und Joachim Kobus Unternehmensberatung. KölnDesign versteht sich als Branchennetzwerk und Sprachrohr, fördert junge selbständige Designer und bietet regelmäßige Informations- und Bildungsangebote. Unternehmen und Freiberufler mit Ausrichtung Grafikdesign und Unternehmenskommunikation bilden den Schwerpunkt unter den Mitgliedern.

Köln vereint Kunst, Design und Kultur. Das Museum für Angewandte Kunst Köln (makk) beheimatet eine in Europa einzigartige Designabteilung. Die im Jahre 2008 wiedereröffnete und erweiterte Dauerausstellung behandelt die Themen Kunst und Design im Dialog. Sie ist damit ein Unikat in der europäischen Museumslandschaft. Ausgestellt sind unter anderem Grafiken und Plakate Kölner Grafikdesigner von damals bis heute.